Eigentlich möcht ich nur stehn bleiben
 und staunen und schaun,
möchte mir die Augen reiben-
unwirklich schön - dieser Baum.
Dieses Licht, diese Farben, die Landschaft
ist das noch unsre Welt,
oder schon ein andre?

Wenn ich nun wandre
den Weg um die Höh,
ob ich dann noch Schöneres seh?

Kann das sein?

 

Michael Sehmsdorf

Boote spiegeln sich im Wasser
leise schaukelnd in der Flut
eines klaren blauen Sees
und der Anblick tut mir gut.

Von dem  hellen Licht geblendet
seh ich dann nur noch verschwommen.
Wo das Spiegelbild wohl endet?
Die Verwechslung ist vollkommen.

Was ist unten, was ist oben,
was ist wirklich, was ist wahr?
Wahrnehmung hat sich verschoben,
war nicht vorher alles klar?

Spiegelt sich auch meine Seele

Michael Sehmsdorf

Wenn in Trauer und Tränen
wir uns nach Tröstung sehnen
weinen Engel mit uns
- unsichtbar -

Michael Sehmsdorf

Mir ist, dass ich träume:
 tanzen die Bäume-
 freun sich des Frühlings, des Lebens, des Seins?

Singen sie leise
fröhliche Weise,
wissen mit Gott, ihrem Schöpfer sich eins?

 Ich möchte verweilen,
 ganz ohne Eilen
 folgen dem Weg durch belebendes Grün.

 Mögen im Herzen
 verstummen die Schmerzen,
 die Sorgen, die Ängste - vergebliches Mühn.

Michael Sehmsdorf

Nach Hause kommen nach langer Zeit,
hier bin ich willkommen,
der Tisch ist bereit.
Obst aus dem Garten, Wasser vom Quell,
ich spüre,
mein Herz wird so ruhig und hell.
Strecke die Beine, wisch den Schweiß vom Gesicht,
die Sorgen von gestern,
hier gibt es sie nicht.

Michael Sehmsdorf

Kein Grün,
kein Baum,
kein Leben

trostlose Einsamkeit?

Die Wolken am Himmel schwebend

künden Unendlichkeit.

Künden Freiheit und Weite,
schiere Vollkommenheit.
O, kleines Herz dich bereite
für solche Erhabenheit!

Michael Sehmsdorf

Über Abgrund und Dunkel
schwingt sich silberne Brücke
Unbekanntem,
verheißungsvollem Ziel entgegen
ein Bild
wie im Traum,
wie im Land der Feen und Märchen

O möcht ich
so frohgemut wie diese Kinder
bei der Hand sich fassend
gehen den mir bestimmten Weg
über Abgrund und Dunkel hinweg,
gespannt auf das Neue,
das mich erwartet.

Doch wer sieht schon
die herrliche Brücke
solang man noch steht vor
der Mauer
fürchtend den Abgrund.

Michael Sehmsdorf

So leuchtend die Felsen,
so blau das Meer.
Grün deckt die Landschaft,
doch der Himmel hängt schwer

 von düsteren Wolken,
 bedrohlich und ernst,
 das Dunkel bleibt in dir,
  wenn du dich entfernst.

  Doch wenn du verweilst,
  schau genauer noch hin,
  das Dunkel  erhellt sich
  mittendrin.

Michael Sehmsdorf

Welch Wesen mit leuchtendem Glanz
Die Seel, wie die Haut so rein,
hell strahlende Eleganz
kann Keines schöner noch sein.

Liegt dort in seinem Schmerz
vergänglich ist alles Glück
Langsamer schlägt schon das Herz
Es führt kein Weg zurück.

Im Walde
geheimnisvoll verborgen
seltsam Gestalten
Kobolde, Wächter und Troll
gleichsam die Wache halten.

Wie aus dem Märchenreich
schaun sie mitfühlend zu
liebvollen Engeln gleich
behütend seine Ruh.

Michael Sehmsdorf

Verlorener Halt?
oder
Gewonnene Freiheit?

Wo ist hier Anfang,
wo ist hier Ende?
Wo ist ein Ziel,
zu dem ich mich wende?
Ziellos treibt mein Boot im Wind,
fühl` mich wie ein verlassen Kind.
Die Segel meiner Seele wollen fort, nur fort
Hin zu einem schönen, freundlich, sicheren Ort.
Der Wind des Schicksals treibt mich -
zu unbekanntem Land.
O könnt ich mich doch bergen
in eines Gottes Hand!

Michael Sehmsdorf